Mittwoch, 12. Dezember 2007

Menschenbilder

Obwohl wir mittlerweile auf 20 Jahre Massenarbeitslosigkeit zurückblicken müssen, bestimmt ein überholtes Menschenbild das Denken der meisten Menschen:

Menschen werden immer noch danach bewertet, ob sie Arbeit haben. Dabei wissen doch Millionen von uns, dass für Millionen von uns keine Arbeit mehr da ist und wohl auch nicht mehr da sein wird. Diese Menschen beweisen tagtäglich, dass sie auch ohne Arbeit lebenswert und lebensfähig sind. Sie trotzen dem Armutsprogramm Hartz-Gesetze, obwohl ihnen dieses Programm – oder besser gesagt die Hintermänner dieses Programms – äußerst viel an Lebensqualität nimmt.

Millionen Menschen in unserem Land leben von Hungerlöhnen, sprich: von Ein-Euro-Jobs, von Geringfügigen Beschäftigungen und von ergänzendem Arbeitslosengeld 2. Gleichzeitig bedienen sich gerade die Manager der Konzerne, die großzügig mit dem Schicksal von Menschen umgehen, äußerst großzügig mit Millionenbeträgen aus den "armen" Konzernkassen. Und diese Leute (ich wage hier gar nicht von Menschen zu reden) sollen mehr wert sein als die Menschen, die sie entlassen und ausbeuten!?! Es ist und bleibt unumstößliche Tatsache, dass diese Leute für das Gemeinwohl nichts, für ihre eigenen Geldbeutel und Vorteile jedoch alles tun!

In einer hektischen Welt, in der nur nach kaufmännischen Gesichtspunkten und Werten entschieden wird, ist es schon eine große Leistung, seinen Mitmenschen zuzuhören und sich um Einfühlungsvermögen zu bemühen.

Es ist doch unfair, langjährig Arbeitslose dafür zu verurteilen, dass sie nicht mehr bereit sind, sich immer und immer wieder auf Stellen zu bewerben, die für sie gar nicht gedacht sind. Bei dieser Gelegenheit sei mir der Hinweis erlaubt, dass Experten auf diesem Gebiet immer nur Leute sind, die überhaupt nicht wissen, was Arbeitslosigkeit für jeden Betroffenen bedeutet und die noch weniger wissen, wie sich Arbeitslosigkeit anfühlt. Auch hier werden Menschen ausschließlich kaufmännisch abgewertet und nicht als das gesehen, was sie sind – Menschen mit Gefühlen. Was man von den hoch dotierten Managern und "ihren" Politikern offensichtlich nicht sagen kann.

Wer jung, dynamisch und aktiv ist, zählt mehr als ein älterer Mensch, der diese Eigenschaften nicht mehr so wie früher mitbringt. Die Alten waren auch mal jung und die Jungen werden auch mal alt. Und nun…?!?

Jeder Mensch muss wieder mit seinen ihm eigenen Fähigkeiten und Qualitäten anerkannt werden! Und Fähigkeiten wie Zuhören-Können, Einfühlungsvermögen, Solidarität, zwischenmenschliche Loyalität, Offenheit, Ehrlichkeit, gegenseitiges Vertrauen müssen wieder in den Mittelpunkt des Denkens und Fühlens rücken.

Alles andere bedeutet Rückschritt im verwerflichen Sinne des Wortes.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen