Freitag, 23. November 2007

Was ist bloß an unseren Schulen los?

Diese Frage ist für mich recht verwunderlich, weil sie mir vermittelt, dass das Thema Amokläufe an unseren Schulen eins jener Themen ist, die ganz überraschend auf uns einstürmen und wir uns jetzt ganz schnell darüber Gedanken machen müssen.

Unsere Kinder – seien sie Kindergarten- oder Schulkinder – werden doch schon in ihrem jungen Alter darauf vorbereitet, dass sie sich im späteren Leben mit Ellenbogen durchsetzen müssen. Sie werden früh unter Leistungsdruck gesetzt und ihnen damit wichtige Bereiche ihrer Kindheit entrissen. Sie lernen schon früh, dass sich jeder selbst der Nächste ist.

Die für Kinderarmut in unserem Land Verantwortlichen legen durch die laufenden Kürzungen im Sozialbereich und das beständige Stopfen ihrer Taschen und der Taschen der mit ihnen eng verbundenen Wirtschaftsunternehmen (für die sie oft selbst auch tätig sind) die Grundlagen für Gewalt in unserer Gesellschaft. Wer Menschen vorsätzlich die wirtschaftlichen Grundlagen entzieht, weil er die Macht dazu hat, macht sich schuldig und ist gerichtlich zu belangen. Doch was passiert: Der verantwortliche Politiker hat ja niemanden körperlich verletzt und ist für die Justiz somit ohnehin unschuldig. Die Kinder und Jugendlichen jedoch, die weder Macht über Andere besitzen noch gelernt haben, ihre Aggressionen in konstruktive Bahnen für sich umzusetzen, werden kriminalisiert, ihnen wird die Hilfe verweigert, die sie brauchen – oder sie werden (wie vor wenigen Tagen geschehen) von unfähigen Polizisten in den Tod gehetzt.

Im Grunde wundert es mich nicht, dass bisher kein schlimmer Amoklauf passiert ist. Bei all den Belastungen, denen unsere Kinder heute ausgesetzt sind, und der oft offensichtlich Unfähigkeit der Erwachsenen – aus welchen Gründen auch immer – spricht es für unsere Kinder, dass sie in der Regel "erwachsener" mit sich umzugehen imstande sind als viele der "ach so erwachsenen und reifen" Erwachsenen-"Persönlichkeiten".

Auch hier sind die Medien mitverantwortlich! Sie stürzen sich lieber auf die sehr seltenen "Amokläufe" als auf die sehr vielen Schulen, an denen sich Schüler, Lehrer und Eltern um ein gemeinsames verantwortungsvolles und menschliches Miteinander bemühen – Tag für Tag!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen