Dienstag, 13. November 2007

Heimat

Ich bin davon überzeugt, dass jeder Mensch mehrere Heimaten hat. Da gibt es die geographische Heimat – das Land, die Region oder die Stadt, in der man geboren wurde und zu der man eine innere Beziehung hat. Vielleicht ist es die Landschaft, die man liebt, vielleicht die Menschen dort oder vielleicht auch beides.

Dann gibt es noch die gefühlsmäßige Heimat, die in meinem Leben eine überragende Rolle spielt. Die Menschen, mit denen ich mich wohl fühle, die mich annehmen so wie ich bin und die ich liebe so wie sie sind – und gerade auch deshalb liebe, weil sie so sind, wie sie sind. Der Verlust dieser Heimat schmerzt am tiefsten. Und oft wiederholt sich ein solcher Verlust.

Da habe ich das wunderbare Gefühl, wieder eine Heimat gefunden zu haben – und ich verliere wieder. Da spielt die Dauer die geringste Rolle. Entscheidend ist die Tiefe der gegenseitigen Zuneigung. Es verletzt meine Seele, die sich aufgehoben gefühlt hat. Der Grund des Verlustes ist hier erstmal zweitrangig.

Für mich stelle ich immer wieder fest, dass die Suche nach einer Heimat für meine Seele mit zunehmendem Alter schwieriger wird: Ich habe in meinem Leben sehr viele angenehme und unangenehme Erfahrungen erlebt und mich schon seit meiner Jugend damit auseinander gesetzt. Und die Zwischensumme all dieser Erfahrungen ist mein Denken und Fühlen im Hier und Jetzt. Aus Gesprächen weiß ich, dass diese Einstellung unabhängig ist vom Geschlecht.

Ich habe für mich gelernt, den Verlustschmerz anzunehmen und mich mit ihm auseinander zu setzen. Damit schaffe ich mir die Möglichkeit zu lernen und mich weiter zu entwickeln.

Und wenn sich aus einem solchen Verlust eine Freundschaft aufbauen und pflegen lässt, so ist der Verlust letztendlich auch wieder ein Gewinn.

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