Sonntag, 23. September 2007

Seine Gesundheit in die eigenen Hände nehmen

Als Jugendlicher wurde ich mehrere Jahre auf chronisches Gelenkrheuma behandelt. Über einen längeren Zeitraum musste ich Antibiotika in Höchstdosierung einnehmen. Aus dem Heute betrachtet bin ich überzeugt, dass es einfach nur Wachstumsstörungen waren. Zum Ende der Behandlung spürte ich, dass mir Sport gut tun würde, aber mein Arzt hat davon abgeraten. Das war das erste Mal in meinem Leben, dass mir die Wahrnehmung meines Körpers bewusst wurde. Und letztendlich hat mir nicht mein Arzt geholfen, sondern ich habe mir selbst geholfen, weil ich nicht an die Ärzte geglaubt habe, sondern an mich!

Mit meinem langjährigen Hausarzt verstehe ich mich gut, weil er mich ernst nimmt und sich Gedanken macht, die über das jeweils aktuelle Anliegen hinausgehen.

Auch mein langjähriger Zahnarzt nimmt mich ernst, erklärt mir und bespricht Behandlungen mit mir.

Zu anderen Ärzten lasse ich mich nur mit Ängsten überweisen, weil die allermeisten Ärzte aus meiner Erfahrung heraus fachlich wie menschlich inkompetent oder zumindest sehr fragwürdig sind: fehlende Fähigkeit zuzuhören, von oben herab im Umgang, zu sehr nach Theorien arbeitend und nicht am anwesenden Menschen (ich bin in erster Linie Mensch und erst in zweiter Linie Patient), kritikunfähig und distanziert – alles in allem keine Wohlfühlatmosphäre, die zu dem unabdingbaren Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Kunde unbedingt notwendig ist.

Die heftigsten Erfahrungen habe ich mit Orthopäden gemacht, die den Körper – wie übrigens die meisten Mediziner – als ein Sammelsurium von Ersatzteilen sehen, die nichts miteinander zu tun haben. Hier kann ich nur sagen "Die kann man alle in einen Sack sperren, mit dem Knüppel draufhauen und man trifft immer den richtigen".

Ärzte reden oft davon, dass die Patienten auch Verantwortung für ihre Gesundheit übernehmen sollen. Dem stimme ich zu. Doch wo ist die Verantwortung der Ärzte für die Gesundheit ihrer Patienten. Mit unzureichenden und mit Fehlbehandlungen lässt sich leicht ein Patientenstamm erhalten.

Darin werden die Mediziner noch von der Justiz unterstützt, die es einem Patienten nahezu unmöglich macht, einen Arzt zu verklagen. Dazu bedarf es guter Nerven und einer gefüllten Geldbörse. Und mit Gutachten verdienen sich die Gutachter nur gutes Geld. Und es ist doch ein offenes Geheimnis, dass kein Arzt seinen Kollegen ein Fehlversagen attestieren würde.

Warum müssen in Krankenhäusern und oft auch in Arztpraxen so viele Formulare unterschrieben werden? Damit die Ärzte ihre Verantwortung auf ihre Patienten verlagern. Das ist nicht nur in höchsten Grade unfair, sondern Machtmissbrauch.

Glücklicherweise war ich schon seit über 40 Jahren nicht mehr als Patient in einem Krankenhaus. Und ich hoffe, das wird auch so bleiben. (Doch wäre das Thema Krankenhaus ein Kapitel für sich.)

Ich könnte angstfrei mit Ärzten umgehen, wenn sie

  • mich als Mensch mit meinen Ängsten ernst nehmen würden,
  • mir glauben würden, dass ich mich besser spüre als jeder andere Mensch,
  • mit mir auf Augenhöhe reden würden,
  • mir ihre Diagnosen erklären und nicht schweigen würden,
  • Therapiemöglichkeiten mit mir ernsthaft erörtern würden,
  • Kritik als Anregungen verstehen würden,
  • sich für mich (auch als Kassenpatient!) die notwendige Zeit nehmen würden.

Nach meinem Dafürhalten sollten Ärzte sich als Fachleute für Gesundheit sehen, die mir - grundsätzlich in Abstimmung mit mir – helfen, gesund zu werden bzw. mit meiner Krankheit/meinen Symptomen lebenswert umzugehen.

Kommentare:

  1. Ich kann diesen Aussagen nur vorbehaltlos zustimmen.

    Glücklicherweise habe ich, sowohl was meine Zahnärztin, meine Augenärztin als auch den Hausarzt betrifft, kompetente Ansprechpartner, die in mir nicht nur den Patienten Nummer XY sehen.

    Vor langer Zeit war ich (genau einmal und nie wieder) bei einem Zahnarzt, der eher die Bezeichnung Schlächter verdient hätte. Dass ich dann lange gezögert habe, wieder mal einen Zahnarzt aufzusuchen, ist wohl verständlich.

    Meine Zahnärztin hat es aber sehr gut verstanden, mir die Angst vor Zahnärzten zu nehmen und ich gehe jetzt wieder regelmäßig zur Kontrolle.

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  2. Ja, dein Beitrag trifft den Nagel auf dem Kopf, gerade was die Orthopäden angeht. Was ich mir schon alles anhören durfte... Eine Bekannte, die schweres Rheuma hat, lässt sich daher nur noch vom Chirurgen behandeln und ist hochzufrieden. Chirurgen und Orthopäden haben nämlich (fast) die gleiche "Ausbildung", nur sind die Chirurgen keine "Knochenbrecher". Ansonsten habe ich auch eine Odysee hinter mir, was die Arztsuche angeht. Glücklicherweise bin ich jetzt zufrieden und fühle mich sehr gut aufgehoben.

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  3. Danke für Deinen Artikel, zeigt dieser - und die Kommentare - doch, dass ich nicht alleine mit Ärzte-Ärgernissen bin.
    Im Moment ist es auch wieder ein Problem. Und, die Orthopäden, da habe ich auch schlechte Erfahrungen. Die meiste Zeit geht es mir besser ohne Arzt, leider brauche ich hin und wieder mal doch deren Hilfe. Ich hatte einen langjährigen Hausarzt, der leider inzwischen im Ruhestand ist. Diesen vermisse ich schmerzlich, denn die anderen Ärzte wollen keine Patienten mehr annehmen, und der, welcher mich trotzdem übernommen hat, läßt mich dies quasi büssen.
    Obwohl ich schwerbehindert bin, soll ich selber in die Praxis kommen - nur wegen eines Rezeptes. Wenn mir das nicht passe, könne ich ja weiter nach einem anderen Arzt suchen, hiess es.
    Das Gesundheitsministerium sagt dazu, dass dies menschlich fragwürdig sei, aber Ärzte dürfen das...

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