Freitag, 7. September 2007

Arbeitslosigkeit gilt immer noch als Makel

Wir leben bereits seit über 20 Jahren mit Massenarbeitslosigkeit. Eine Tatsache, die meines Erachtens jedem Menschen zeigen sollte, dass auch die Arbeitslosen nach wie vor vollwertige Menschen sind; doch weit gefehlt. Viele Menschen denken und Handeln noch nach dem Motto "Nur wer arbeitet, ist ein vollwertiger Mensch."

Was diese Menschen zu solch einem Denken und Handeln bewegt, vermag ich nicht nachzuvollziehen und will es – da bin ich ehrlich – mittlerweile auch gar nicht mehr. Wissbegierigen Menschen hingegen bin ich gerne bereit, meine Situation darzustellen und mich darüber auszutauschen.

Nach wie vor wird mir vermittelt, ich sei selbst verantwortlich für meine lange Arbeitslosigkeit. Doch die Tatsachen sprechen dagegen. Nach etwa 2.000 Absagen habe ich mit dem Zählen aufgehört (und das ist schon viele Jahre her).

Meine langjährige Arbeitsvermittlerin hat mir vor meiner Umschulung noch gesagt: "Jemanden wie Sie, der seit über zehn Jahren arbeitslos ist und den Kopf noch nicht in der Sand gesteckt hat, habe ich noch nicht erlebt." Dieses Kompliment spricht für sich.

Anfang vorigen Jahres habe ich erfolgreich eine Umschulung zum Kaufmann im Gesundheitswesen abgeschlossen – ohne die Chance auf einen Wiedereinstieg. Wie auch für den Rest des Lehrgangs, von denen nur eine Mitschülerin eine Stelle gefunden hatte.

Ich lebe immer noch in meiner eigenen Wohnung und bin auch nicht drogensüchtig. Und das wird bis zu meinem Tod auch so bleiben!

Nicht nur Langzeitarbeitslose leben oft am Existenzminimum oder sogar darunter. Davon Betroffen sind auch Menschen, die ergänzend zum Gehalt noch Arbeitslosengeld II beziehen müssen, Minijobber und Arbeitnehmer(innen), die zwar ein volles Gehalt beziehen, mit dem sie aber sich und ihre Familien nicht oder nur knapp ernähren können.

Massenarbeitslosigkeit wird eine langfristige Begleiterscheinung unseres Lebens werden. Unsere Kinder werden da schon hinein gezwungen. Menschen, die von Arbeitslosigkeit betroffen sind, sind für ihr Schicksal nicht selbst verantwortlich. Verantwortlich sind die Wirtschaftsführer und ihre Vertreter in Politik und Gewerkschaften (ich bin selbst seit Jahrzehnten Gewerkschafter), die die Hartz-Gesetze geschaffen haben und heute vehementer als zuvor vertreten.

Ich bin nun mal Einer der Betroffenen, die auf Grund ihres Alters und auch ihrer "Überqualifizierung" aus dem ersten Arbeitsmarkt ausgeschlossen werden. Aber ich gehöre auch zu denen, die sich trotz geringer finanzieller Mittel ihre Lebensfreude und ihre Lebensqualität nicht nehmen lassen!

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