Mittwoch, 22. August 2007

Leben ohne Auto

Als sich gegen Ende meiner Umschulung zum Kaufmann im Gesundheitswesen Anfang 2006 abzeichnete, dass ich auch weiterhin erwerbslos sein würde, war für mich klar, dass ich mit Arbeitslosengeld II mein Auto nicht mehr würde finanzieren können. Also habe ich es verkauft und stattdessen ein Ticket 2000 abonniert.

Diese Entscheidung hatte entscheidend zur Folge, dass ich bei weitem nicht mehr so beweglich bin wie mit Auto. Ich kann nicht mehr spontan einen Ausflug machen – für Strecken, die ich mit dem Auto in 20 Minuten fahre, brauche ich mit dem Öffentlichen Nahverkehr unter Umständen 1,5 Stunden. Und wenn dann die Anschlüsse nicht so günstig sind auch länger.

Das ist für mich aber auch der einzige Nachteil. Der ganz große Vorteil ohne Auto ist das enorme Sparpotential. Ich war mir zwar schon immer im Klaren darüber, dass Autofahren sehr teuer ist, aber erst jetzt (da ich diese Ausgaben nicht mehr habe) merke ich, wie teuer es ist.

Da ich zum Schluss auch nicht mehr so gerne gefahren bin, ist das Fahren mit den Öffentlichen für mich in der Regel auch Erholung. Leider kann ich mir hier meine Mitfahrer nicht aussuchen, was mir manches Mal sehr gegen den Strich geht. Doch jede Medaille hat nun mal zwei Seiten.

Äußerst bedauerlich ist jedoch, dass die Verkehrsunternehmen vor allem durch Streckenstreichungen und –ausdünnungen selbst dazu beitragen, sich ihre Fahrgäste zu vergraulen und viele ihrer Fahrgäste so dazu zwingen, wieder aufs Auto umzusteigen.

Ebenso finde ich es ärgerlich, wenn benachbarte Stadtwerke nicht dazu in der Lage sind, ihre Fahrpläne aufeinander abzustimmen: So ist es beispielsweise nicht möglich, mit dem Nachtexpress von Wuppertal nach Solingen zu fahren, weil man von dem Anschlussbus nach Solingen nur noch die Schlusslichter sieht – es sei denn, der entsprechende Fahrer praktiziert noch Kundennähe. Es ist nicht einmal möglich, dass der Fahrer des Wuppertaler Busses seinen Solinger Kollegen bittet, auf einen umsteigenden Fahrgast zu warten, weil die beiden Verkehrsunternehmen keinen Kontakt haben und ihn auch nach meinen Informationen nicht wollen.

Als Mensch mit viel Zeit kann ich solche Nachteile des Öffentlichen Nahverkehrs sicherlich lockerer sehen als Menschen, die aus beruflichen oder sonstigen Gründen auf einen wesentlich kunden näheren Service der Verkehrsunternehmen angewiesen sind.

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