Mittwoch, 22. August 2007

Ein zeitnahes Gedicht aus dem vergangenen Jahrhundert

Als die Arbeitgeber im Ruhrgebiet die Massen entließen,
habe ich gesc
hwiegen;
denn ich lebte ja in Schleswig-Holstein.
Als sie in unserer Gegend weitere Menschen rausschmissen,
habe ich geschwiegen:
ich hatte ja Arbeit.
Als in meiner Stadt die ersten Entlassungen anstanden,
habe ich nicht protestiert;
ich wollte ja meine Arbeit behalten.
Als auch unser Betrieb geschlossen wurde, gab es keinen mehr,
der sich wehren konnte.

(Ein Beschäftigter / 1997)

Als mein Nachbar arbeitslos wurde,
habe ich geschwiegen;
ich war ja schon arbeitslos.
Als die Arbeitslosigkeit in unserer Stadt wuchs,
habe ich immer noch geschwiegen;
ich hatte ja noch ein Dach über dem Kopf.
Als ich dann von Sozialhilfe abhängig war,
habe ich nicht protestiert;
ich war ja froh, noch überleben zu können.
Als ich ausgesteuert wurde und meine Wohnung verlor,
hatte ich keine Kraft mehr, mich zu wehren –
weder allein noch gemeinsam.

(Ein Arbeitsloser / 1997)

Als im Jahre 1997 die Arbeitslosigkeit erschreckende Ausmaße annahm,
sind die DGB-Gewerkschaften auf die Straße gegangen,
es ging ja um ihre Leben und ihre Lebensqualität.
Als die Arbeitgeber und die Politiker diese Macht sahen,
bekamen sie es mit der Angst;
sie hatten ja Ansehen und Wählerstimmen zu verlieren.
Als Löhne und Arbeitszeiten ein Jahr später in Ost und West auf Westniveau waren,
gingen die Menschen vor Freude auf die Straße;
sie hatten diesen Sieg ja erkämpft.
Als es im Jahre 2005 wieder Vollbeschäftigung gab,
waren die Menschen miteinander wesentlich zufriedener;
sie hatten ja keine Existenzängste mehr.

(Eine Utopie / auch noch 2007)

Als Vorlage für dieses Gedicht diente mir eine Aussage von Martin Niemöller, dem ehemaligen Kirchenpräsidenten von Hessen und Nassau, der von 1938 bis 1945 in KZ-Haft war.

Kommentare:

  1. Dr. Dieter Porth
    Reinhäuser Landstraße 72
    D - 37083 Göttingen
    Telefon: 0 [049] 551 / 820 51 62
    Email: info@padina.com



    ==========================================================
    Sonderhinweis
    ----------------------------------------------------------
    Ich mache beim Stadtradio Göttingen ehrenamtlich eine Radiosendung. An Ostern ist eine sechsstündige Sondersendung angedacht. In der Sendung ist Raum für zirka vierzig Gedichte. Der genaue Termin steht noch nicht fest. In der Sendung möchte ich endlich mal wieder (nach mehreren Jahren Abstinenz - www.hitgedichte.de -) zeitgenössische Lyrik vorstellen.
    1. Frage: Darf ich Ihr Gedicht in der Sendung einmalig und kostenfrei rezitieren? (Ohne ein explizites Ja kommt eine Rezitation nicht in Frage, da ich keine Tantiemen zahlen kann.)
    2. Frage: Ist das Gedicht bei der VG-Wort gemeldet? (Da ich als Privatmann die Kosten nicht tragen kann, können in der Sendung nur nicht gemeldete Gedichte rezitiert werden. Gern kann mir in dem Zusammenhan ein nicht gemeldetes Gedicht zugemailt werden.)

    Die Sendung ist online über www.stadtradio-goettingen.de (wegen Mitschnitten) zu empfangen bzw. in der Region über 107,1MHz. Den genauen Termin werde ich per Email und auf der Website www.padina.com noch mitteilen.

    Dieter Porth
    ==========================================================

    Formbrief aus Göttingen am 02.03.2008



    Sehr geehrter Autor Gerhard,

    ich habe die ersten drei verses ihr Gedichte in der Hitliste für deutsche Gedichte beschrieben und zitiert:
    "http://www.padina.com/stadtradio/in_liebe.html".
    (Bei Haiku oder sehr kurzen Gedichten werden nur ein oder zwei Verse zitiert.)Wenn Sie der Beschreibung unzufrieden sind, können sie mir gern einen kurzen Zusatztext schicken. Der Zusatztext wird sollte nicht länger als 300 Zeichen und kann einen Link auf weitere Ausführungen enthalten.

    Die Eintragsdauer in der Hitliste ist zur Zeit auf 30 Wochen beschränkt. Am Ende des Briefes habe ich alle Daten aufgelistet, mit denen ihr Gedicht in der Hitliste beschrieben wird.

    Anmerkung für Autoren von Lyrikbuchern / Verlage
    Padinas Hitliste ist nur mein persönliches Steckenpferd. Viel Zeit investiere ich derzeit in die Internet-Zeitung www.buergerstimmen.de, die auf Göttingen und Südniedersachsen ausgerichtet ist. Derzeit habe ich dort zirka 200 echte Brwoseraufrufe täglich. Über die Internet-Zeitung möchte ich zukünftig die Lyrik fördern und pro Woche eine Pressemitteilung zu einem Lyrikbuch vorstellen.
    Wenn Sie einen Lyrikband geschrieben haben, Können sie mir gern eine Pressemitteilung zuschicken. Diese sollte folgende Informationen enthalten:
    -- 1. Beschreibung des Inhalts des Lyrikbandes
    -- 2. Bibliographische Beschreibung (Autor, Titel, Auflage, Erscheinungsort, -jahr, ISBN)
    -- 3. Kurzvorstellung des Autoren
    -- 3. drei Gedichte als Leseprobe
    Weiterhin können Sie folgende Informationen beifügen:
    -- 1. Foto des Autoren (jpg-Format, Höhe, Breite < 300 Pixel)
    -- 2. Foto vom Buchdeckels und von ausgewählten Seiten aus dem Buch (jpg-Format, Höhe, Breite < 300 Pixel)
    -- 3. Ihre Homepage und/oder Homepage ihres Verlags
    Die Pressemeldung schicken an die Redaktion von buergerstimmen.de: info@buergerstimmen.de.

    Mit lyrischen Grüßen
    Ihr
    Dr. Dieter Porth




    P.S.: Über eine Rückverlinkung freue ich mich selbstverständlich.
    ---------------------------------------------------------------------
    Bitte teilen Sie mir Fehler mit, die Sie entdecken. / Tell me any mistake, please.


    ------ Die Informationen zu Ihrem Gedicht ------
    Titel:
    Ein zeitnahes Gedicht aus dem vergangenen Jahrhundert
    Link zu Ihrem Gedicht (unter dem Titel verborgen):
    http://tanzfreude.blogspot.com/2007/08/ein-zeitnahes-gedicht-aus-dem.html
    Startseite der Dichterplattform:
    http://tanzfreude.blogspot.com/
    Autor:
    Gerhard
    Emailadresse (unter Ihrem Namen verborgen):
    http://gaestebuch.gbserver.de/lebensfreund,2.html
    Kurzbeschreibung Ihres Gedichtes:
    Das Gedicht zeigt auf, wie die Entsozialisierung der Gesellschaft funktioniert.
    Die ersten Zeilen des Gedichts werden zitiert:
    Als die Arbeitgeber im Ruhrgebiet die Massen entließen,
    habe ich geschwiegen;
    denn ich lebte ja in Schleswig-Holstein.
    Gedicht ohne Musikuntermalung:

    Gedicht ist unabhängig von der graphischen Umgebung.

    Gedicht ist nicht als Vortrag zu hören.

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  2. Sehr geehrter Herr Dr. Porth,

    vielen Dank für Ihre Zuschrift.

    Das Gedicht dürfen Sie gerne einmalig und kostenfrei rezitieren.

    Es ist nicht bei der VG-Wort gemeldet.

    Bitte seien Sie so nett, mir den genauen Termin der Sendung über meinen Kontaktlink auf der Blogseite (linke Sidebar) mitzuteilen.

    Die Veröffentlichung in der Hitliste ist in Ordnung.

    Lieben Gruß
    Gerhard

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